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Barfußlaufen: Gesund für die Füße

Barfuß laufende Person auf grüner Wiese im Sonnenlicht.

© New Africa AdobeStock 535457583

Viele Menschen verbinden Barfußlaufen mit Strandurlaub. Doch das Gehen ohne Schuhe darf aus medizinischer Sicht gern öfter in den Alltag integriert werden. Barfußlaufen kräftigt Muskeln und verbessert die Körperwahrnehmung. Die Füße übernehmen wieder Aufgaben, die ihnen ursprünglich zugedacht sind. Ein stabiler Fuß kann langfristig außerdem Knie, Hüfte und Rücken entlasten.

Die tägliche Schwerstarbeit unserer Füße

Der menschliche Fuß ist anatomisch betrachtet ein stabiles und gleichzeitig sehr bewegliches System. Er setzt sich aus 26 Einzelknochen, 30 Gelenken und zahlreichen Muskeln, Sehnen und Bändern zusammen.

Schon beim normalen Gehen tragen die Füße das gesamte Körpergewicht. Beim Laufen wirken zwei- bis dreifach so große Aufprallkräfte auf den Körper wie beim Gehen. Die Belastung beim Springen ist noch viel höher.

Das Fußgewölbe funktioniert dabei wie eine natürliche Feder. Auftreten auf stabilem oder unebenem Grund führt dazu, dass das Gewölbe leicht nachgibt. Der Druck wird über den gesamten Fuß verteilt. Das Abstoßen stabilisiert den Schritt.

Der Mechanismus funktioniert jedoch nur, wenn viele kleine Muskeln aktiv mitarbeiten. Genau hier setzt Barfußlaufen an.

Was Schuhe mit unseren Füßen machen

Schuhe schützen uns vor Kälte, Nässe und Verletzungen, aber sie verändern auch die natürliche Bewegung des Fußes.

Viele moderne Schuhe besitzen oft stark gedämpfte Sohlen, feste Fußbetten und geringen Platz im Zehenbereich. An sich sorgt das für Komfort, aber gleichzeitig übernehmen Schuhe damit Aufgaben, die eigentlich der Fuß selbst erledigen sollte.

Gerade dicke Sohlen federn Stöße ab, wodurch die Muskeln im Fuß nicht mehr ausreichend aktiviert werden. Diese Entlastung kann langfristig zur Muskelschwäche führen. Orthopäden sehen darin einen möglichen Faktor für häufige Fußprobleme wie Senkfuß, Spreizfuß oder Knickfuß.

Was Barfußlaufen so gesund macht

Beim Barfußlaufen übernimmt der Fuß wieder seine natürliche Aufgabe:

  • Stabilisieren,
  • Dämpfen und
  • Bewegungen ausgleichen.

Langfristig stärkt das verschiedene Strukturen des Bewegungsapparates und trägt zur Fußgesundheit positiv bei.

Stärkung der Fußmuskulatur

Beim Gehen ohne Schuhe sind sogenannte kurze Fußmuskeln aktiv. Sie liegen tief im Fuß und bieten dem Längs- sowie Quergewölbe Stabilität. Barfußlaufen beansprucht diese Muskeln, sodass sie kräftiger werden und das Fußgewölbe besser stützen können. Ein stabiler Fuß verteilt Belastungen und beugt Überlastung vor.

Mehr Wahrnehmung durch die Fußsohlen

Die Fußsohlen reagieren besonders empfindlich auf Druck, Temperatur und Untergrund. Das liegt daran, dass in ihnen viele Nervenrezeptoren enthalten sind. Barfußlaufen stellt sicher, dass das Gehirn kontinuierlich Informationen über die Position des Körpers im Raum erhält. Propriozeption (Tiefensensibilität) beschreibt diese Wahrnehmung der eigenen Bewegung. Eine gute Propriozeption fördert Gleichgewicht und Koordination und dient der Sturzprophylaxe.

Natürliche Reize für Muskeln & Durchblutung

Gras, Sand oder Waldboden sind selten komplett eben. Unebenheiten und Druckreize auf der Fußsohle aktivieren Muskeln und Gelenke vielseitig und unterstützen Bewegung und Durchblutung. Zudem profitiert auch das Hautklima: Ohne geschlossene Schuhe und enge Socken kann Feuchtigkeit schneller verdunsten. Ein trockenes Umfeld bietet Pilzen weniger günstige Bedingungen zur Vermehrung.

Warum ein langsamer Einstieg wichtig ist

Barfußlaufen muss geübt sein. Füße, die lange an festes Schuhwerk gewöhnt sind, benötigen Zeit zur Anpassung. Muskeln und Sehnen gewöhnen sich nur langsam an die neue Belastung und auch die Haut der Fußsohlen wird erst nach und nach widerstandsfähiger.

Ein sinnvoller Einstieg besteht darin, zunächst kurze Strecken barfuß zu gehen. Weiche Untergründe wie Rasen oder Sand eignen sich ebenfalls gut. Später dürfen Dauer und Untergrund variiert werden.

Barfußschuhe: Eine gute Alternative?

Barfußschuhe haben viele schon an manch einem Fußgänger oder Jogger gesehen. Die Schuhe besitzen eine sehr dünne, flexible Sohle und eine breite Zehenbox. Tatsächlich können sie hierdurch eine praktische Alternative zum Barfußlaufen darstellen. Das natürliche Abrollen des Fußes bleibt nämlich weitestgehend erhalten und von der Fußmuskulatur wird stärker Gebrauch gemacht, als klassische Schuhe es erlauben würden.

Gleichzeitig schützt die Sohle der Barfußschuhe vor Verletzungen durch kleine Scherben oder spitze Steinchen. Dennoch gilt auch hier das Prinzip der langsamen Gewöhnung. Wer lange in stark gedämpften Schuhen gelaufen ist, muss Muskeln, Sehnen und Achillessehne zunächst behutsam daran gewöhnen.

Ungeeignet sind Barfußschuhe jedoch für Menschen mit Diabetes und eingeschränktem Schmerzempfinden in den Füßen, akutem Fersensporn und starken Fußfehlstellungen.

Wann Vorsicht beim Barfußlaufen geboten ist

Barfußlaufen eignet sich für fast alle Menschen. Bei eingeschränkter Sensibilität können aber kleine Verletzungen unbemerkt bleiben. Hier ist es sinnvoll, Barfußlaufen nur nach ärztlicher Rücksprache in den Alltag zu integrieren.

Besondere Vorsicht ist angebracht bei:

  • Diabetes mit Nervenschäden in den Füßen
  • ausgeprägten Fußfehlstellungen
  • akuten Verletzungen oder Entzündungen
  • starken Gelenkbeschwerden

Barfußlaufen ist gesund, beansprucht aber gerade zu Beginn die Haut und Füße. Für Tipps zur richtigen Pflege danach oder bei Unsicherheiten, ob das Barfußlaufen bei Ihren Vorerkrankungen sicher ist, stehen wir Ihnen in der Apotheke jederzeit beratend zur Seite!

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