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Leben mit der Erkrankung Multiple Sklerose (MS)

Frau sitzt nachdenklich auf Parkbank im Herbst, Gehstock neben ihr.

© Teeradej AdobeStock 855929920

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland sind etwa 280.000 Menschen betroffen. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer, festgestellt wird die Erkrankung in der Regel zwischen dem 20. Und 40. Lebensjahr.

Multiple Sklerose ist nach wie vor nicht heilbar, jedoch lässt sich ihr Verlauf mit Medikamenten und weiteren Therapiemaßnahmen günstig beeinflussen. Da sich die Symptome und der Krankheitsverlauf von Person zu Person sehr individuell gestalten können, sind Betroffene in ihrem Alltag mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert.

Was ist Multiple Sklerose?

Bei der Erkrankung Multiple Sklerose (MS), die zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems zählt, werden die Nervenstrukturen an unterschiedlichen Stellen des Gehirns und des Rückenmarks geschädigt. Die Symptome können sehr vielfältig sein und umfassen

  • neurologische und
  • motorische Störungen sowie
  • Sehstörungen.

Charakteristisch ist, dass diese Symptome bei den Betroffenen in sogenannten Schüben auftreten, die im Verlauf meist zunehmen.

Konkret kann sich die Symptomatik folgendermaßen äußern:

  • Störungen der Sensibilität: Kribbeln und das Gefühl von Ameisenlaufen auf Armen und Beinen, Minderung der Sensibilität, Missempfindungen
  • Störungen der Koordination von Bewegungen
  • Koordinationsstörungen der Extremitäten und beim Gehen
  • Optikusneuritis: Entzündung des Sehnervs, die bei MS einseitig auftritt; Beschwerden wie Schmerzen bei Augenbewegungen, Minderung der Sehkraft, Störungen des Farbsehens oder ein Ausfall im Gesichtsfeld können unter anderem auftreten
  • Lähmungen und Spastik in unterschiedlicher Ausprägung
  • Schwindel
  • Sprechstörungen mit abgehakter Sprache
  • Störungen der Blasenfunktion
  • kognitive Probleme
  • Fatigue
  • depressive Stimmung
  • etc.

Bezüglich der Ursachen geht man aktuell davon aus, dass es auf Basis einer bestimmten genetischen Veranlagung und im Zusammenhang nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus zu der Autoimmunreaktion kommt. Die Ursache ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Als Risikofaktoren werden auch

  • Rauchen,
  • Übergewicht und
  • Vitamin-D Mangel

diskutiert.

Bei Multipler Sklerose unterscheidet man drei verschiedene Formen:

Schubförmige remittierende MS (RMS): bei dieser Form kommt es in Schüben zu neurologischen Störungen. Dabei können die Symptome bzw. Störungen vollständig oder unvollständig remittieren, also sich zurückbilden. Die Symptome treten rund 24 Stunden auf und können dann über mehrere Wochen wieder abklingen. Dieser schubförmige Verlauf geht meist nach Jahren in ein kontinuierliches Voranschreiten der Krankheit über und ist die häufigste Verlaufsform.

Primär progrediente MS (PPMS): Bereits von Krankheitsbeginn an tritt eine kontinuierlich zunehmende Beeinträchtigung aufgrund von neurologischen Beschwerden auf. Bei dieser Verlaufsform gibt es keine Schübe.

Sekundär progrediente MS (SPMS): Hier kommt es nach einem ursprünglich schubförmigen Verlauf ebenso zu einer langsamen Zunahme von neurologischen Beeinträchtigungen.

Anmerkung: Unter einem Schub versteht man, dass neurologische Symptome neu oder wieder auftreten oder sich deutlich verschlechtern. Die Symptome bestehen dabei mindestens ca. einen Tag durchgehend.

Wie die Erkrankung bei den einzelnen Betroffenen verläuft, ist schwer vorhersagbar. Da sich das Erscheinungsbild von MS sehr vielseitig gestaltet, kann es manchmal Monate bis Jahre dauern, bis die Diagnose eindeutig feststeht.

Wichtig: Es muss dennoch betont werden, dass MS nicht zwangsläufig schwer verlaufen muss. Genau diese Unvorhersagbarkeit stellt eine besondere Belastung für betroffene Personen dar. Therapiemaßnahmen, die die individuelle Lebensqualität verbessern können, sind daher von zentraler Bedeutung.

Leben mit Multipler Sklerose

Nach der Diagnose sind betroffene Personen oft mit ähnlichen Ängsten und Fragen konfrontiert: Wie geht es nun mit der Erkrankung weiter im Leben? Was kann ich dagegen tun? Inwiefern wird mein alltägliches Leben dadurch beeinträchtigt?

Auch wenn Multiple Sklerose nicht heilbar ist, so gibt es Therapiemöglichkeiten, die in erster Linie darauf abzielen:

  • das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten bzw. zu verlangsamen,
  • die akute Entzündungsreaktion eines Schubes zu hemmen,
  • die Symptome zu lindern,
  • Komplikationen vorzubeugen,
  • die beschwerdefreie Zeit zu verlängern.

Neben der medikamentösen Behandlung stehen Therapien in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, neurologische Therapie oder Psychotherapie zur Verfügung.

Besonders für Menschen mit Multipler Sklerose ist ein möglichst selbstbestimmtes Leben in vielen Bereichen von zentraler Bedeutung.

  • Reisen und Freizeit: Besonders bei längeren Reisen gibt es für Betroffene einige Aspekte zu beachten wie beispielsweise potenzielle Stressfaktoren im Blick zu haben, auf das Klima im Urlaubsland vorab zu achten, sich über die medizinische Versorgung vor Ort zu informieren etc.
  • Liebe und Familie: Auch für die Familienangehörigen kann die Erkrankung eine Belastung sein und Einfluss auf die Beziehung und das Familienleben nehmen. Aus diesem Grund ist es auch für Angehörige wichtig, einen Umgang mit der Erkrankung zu finden.
  • Rechtliche und soziale Angelegenheiten: mögliche körperliche Einschränkungen, die mit der Erkrankung einhergehen, können verschiedene Maßnahmen erfordern wie beispielsweise Umbauarbeiten in der Wohnung oder des Hauses oder bestimmte Pflegedienstleistungen.
  • Beruf & Ausbildung: Je nach Verlauf und Ausprägung der Erkrankung, können Betroffene mit bestimmten Herausforderungen im Berufsleben, aber auch in Schule oder Studium konfrontiert sein. Diesbezüglich wird an vielem Stellen Unterstützung und Hilfe angeboten.

Benötigen Sie Informationen zum Leben mit Multipler Sklerose (MS) oder suchen Sie Rat für eines Ihrer Familienmitglieder? Kommen Sie gerne zu uns in die Apotheke.

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